
Der Bernerstamm
(Reminiszenzen an Fasen + Meersäuli)
Bern, 1. Juli 2007, 18:00h vor dem Restaurant Della Casa in der Innenstadt. Er sitzt am runden Tisch, der ganz in die eine Ecke gedrückt ist und verschanzt sich hinter einem Neuigkeitenblatt. Einer der Gründer dieser fast 30 Jahre alten Institution, es ist Schimpans, bürgerlich Heinz Wehrli. Erste schriftliche Hinweise zum Bernerstamm finden sich im vergangenen Jahrtausend, genau am 5.1.1978, in einem Brief von Perry an verschiedene APAer, die in und um Bern lebten oder studierten. Der erste, offizielle Bernerstamm fand am 24.1.1978 statt. Gründungsmitglieder waren un ter andernen Perry, Mowgli, Choli, Marde, Hengst (Förster), Fasen und Schimpans. Viele kamen und gingen in den fast 30 Jahren, geblieben ist die Beiz, das Della Casa.
Soeben ist der Schreibende eingetreten und hat mit heftigem Getöse – der Schirm ist zu Boden gefallen – auf sich aufmerksam gemacht. Ohne zu grüssen wird zuerst der sich versteckenden Zeitungsleser abgelichtet. Der Handschlag folgt und die Fragen, die man beim Eintreffen am Stammtisch stellt, ebenfalls. Ob der Platz um den runden Tisch wohl ausreiche, will ich von Schimpans wissen, der mir die nicht Abgemeldeten, die zu Erwartenden und die Sowieso-Kommenden aufzählt und meint: „Jaa, es wird scho gaa“. Nach der Aufgabe der ersten Bestellung stellt sich bereits der Nächste ein, unser Oberförster Hengst. Das Zeremoniell wiederholt sich, die Platzfrage wird nicht mehr erörtert. Auch der Tischälteste, Meersäuli, mit deutlich über 80 Lenzen im Rucksack, erscheint. Weitere Legenden wie Fasen und Buutz gesellen sich zu uns. Nun denn, die Runde ist voll. Man unterhält sich über: „Hesch dee wieder emol gseh“, „Was macht den au de säb..“ und andere Bewegungen der Welt. Neben der verbalen Unterhaltung wird auch die Kulinarische gepflegt. Die Karte ist eigentlich allen bekannt, gibt aber jedes Mal wieder zu erneuten Verhandlungen Anlass, sowie zu gesundheitlichen und oder „gluschtige“ Überlegungen. Eine weitere, klare Herausforderung ist die Wahl des Abendweines. Umgeben von Connaisseuren, kann ich das Auswahlverfahren wirklich geniessen. Heute steht der Preisgestaltung des „neuen“ Wirtes einiges entgegen und es wird für es „Halbeli“ gestimmt, dessen Inhalt nicht nur trink- sondern auch bezahlbar ist. Da erscheint Mungo, Bruno Nüsperli, und setzt sich als Nichtangemeldeter zur Runde. Allseits Freude einen eher seltenen Teilnehmer unter sich zu haben. Kommt das Essen legt sich natürlicherweise die Vielfalt und Heftigkeit der
Unterhaltung, um danach wieder voll aufzuwallen. Themen wie das Rütli, Sondermülldeponien, das Waldsterben, aber auch persönliche Ereignisse kreisen um den Tisch oder gehen direkt über die Gläser hinweg zum Gegenüber (Der Modellbähnler setzt sich mit Vorteil zwischen Fasen und Bao). Jedes Mal ist der Bernerstamm eine sehr angeregte und freudige Runde. Die ersten verlassen den Stamm um neun, andere sitzen bis gegen elf Uhr.
bao

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